Glücksbringer und Geschenke zu Silvester und Neujahr – eine alte Tradition

Das Neue Jahr begrüßen und Freunde besuchen: In vielen Kulturen ist es Brauch, einander zum Neujahr mit glücksverheißenden Symbolen zu begrüßen und einander zu beschenken. Im alten Rom nahm das Schenken so überhand, so daß sich Kaiser Tiberius gezwungen sah, das ‚große Schenken an den Kaiser‘ auf den 1. Januar zu beschränken.

Der Humanist Johannes Böhm (1485– ca. 1534) erwähnt 1520 die fränkische Sitte, als Silvester Geschenk vergoldete Äpfel mit Buchsbaumzweigen zu schenken, und auch Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622–1676) schreibt im „Simplizissimus“ von Neujahrsgeschenken, die mit Buchszweigen kombiniert sind. Otto von Reinsberg-Düringsfeld beschreibt 1868 in seinem Buch „Das festliche Jahr“ zahlreiche europäische Bräuche zu Silvester und Neujahr: Da die Neujahrsnacht als Omen dafür gelte, wie jemand das angefangene Jahr verlebe, werde gern in fröhlicher Gesellschaft gespeist und getrunken.

In der Eifel, so der Chronist, verschenkte man als „Neujährchen“ ein Brötchen oder einen kleinen Kuchen in Radform. In Schwaben schenkte man große Brezeln, die „Neujahrskränze“. In Ostfriesland waren Kuchen mit Pferdedarstellungen üblich. In England schenkten ärmere Leute gern eine mit Nelken besteckte Orange. In Halle an der Saale brachten drei Abgesandte dem König von Preußen ein Gedicht, eine Wurst und Soleier in einer Pyramide aus Salz

Im Elsaß gingen die Kinder zu ihren Paten, um sich mit Neujahr Sprüchen ihr Patengeschenk einzufordern: „Guten Tag, Herr Pate und Frau Patin, ich wünsch euch Glück zum neuen Jahr. Schenkt mir ’ne Brezel wie ein Scheunentor, ’nen Lebkuchen wie ein Haus, sonst geh ich nicht wieder zur Zimmertür hinaus.“ Neujahrs-Glückwunschkarten, Kalender oder sonstige unterhaltsame Bücher waren in der ersten Hälfte des 19. jahrhunderts en vogue als Neujahrsgeschenk.

Heute schenkt man gern Glücksbringer zu Silvester und Neujahr wie vierblättrigen Glücksklee, kleine Figuren von Schornsteinfegern und Glücksschweinchen aus Marzipan oder Glückskäfer auf einem vergoldeten Pfennig- oder Centstück. Die Mode, Neujahr Karten mit guten Wünschen zu verschicken, ist ebenfalls nach wie vor beliebt.

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