Fast alle Jahre wieder wird Kinderspielzeug getestet, von der Stiftung Warentest oder von Ökotest – und alle Jahre wieder finden sich im Kinderspielzeug Chemikalien, die dort nicht hingehören, weil sie die Gesundheit gefährden. Daß die Testberichte Spielzeug aus China oft ein schlechtes Zeugnis ausstellen, verwundert mittlerweile wohl kaum noch jemanden – wie der Skandal um mit Melanin vergiftetes Milchpulver zeigte, kennt man dort noch nicht einmal Skrupel, wenn es um die Gesundheit der eigenen Bevölkerung geht. Doch leider läßt sich ähnliches auch über Spielwarenhersteller in Europa bemerken.
50 Spielzeuge für Kleinkinder im Alter von bis zu 3 Jahren wurden dem Warentest in Bezug auf Schadstoffe und Sicherheit unterzogen. Nicht nur chinesische, sondern auch Produkte deutscher Markenfabrikanten sind teils stark belastet. 42 Spielartikel, vor allem Holzspielzeuge, enthielten schädliche Chemikalien.
„Die am häufigsten gefundenen Schadstoffe, mit denen das Spielzeug fast immer deutlich, stark oder sehr stark belastet war, waren PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), Phthalate, Formaldehyd, Nonylphenol, Schwermetalle oder zinnorganische Verbindungen. Ausgerechnet Holzspielzeug ist stark mit Schadstoffen belastet, keines im Test ist völlig schadstofffrei,“ heißt es in der Pressemitteilung des Verbrauchermagazins.
Gütezeichen für Kinderspielzeug: Nicht immer ein sicheres Kriterium
Auch so genannte Gütezeichen können leider nicht als Kriterieum für die sichere Auswahl von Spielzeug als Geschenk fürs Kind herangezogen werden: „Auf das CE-Zeichen, mit dem der Hersteller behauptet, dass er alle EU-Richtlinien für das Produkt einhält, ist wenig Verlass. Es ist bei Spielzeug Pflicht und stand deshalb auf jedem der 50 geprüften Produkte“, informiert die Stiftung Warentest. Kein Wunder: Die Einhaltung der CE-Siegel-Bestimmungen wird nicht kontrolliert, das Siegel ist also das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt ist…
Doch auch Markenware von Brio, Eichhorn, Fisher Price, Plan Toys, Selecta, sigikid, Steiff und Thomas & Friends hat gängigen Sicherheitstests nicht standgehalten. Neben chemischen Gefahren sind es oft Kleinteile, die gerade für Kleinkinder eine Gefahr darstellen: weil sie noch alles mit dem Mund erfahren und anknabbern oder an Spielzeug lutschen, können leicht lösbare Kleinteile verschluckt oder eingeatmet werden und zur Erstickung führen. Das war bei 5 der untersuchten Spielzeuge der Fall.
Der Herstellername allein bürgt dabei weder für Qualität noch für einen Mangel an Qualität: Während z.B. ein Plüschaffe von sigikid in Deutschland nicht verkauft werden dürfte, weil er schnell Feuer fängt, zählen die Puppe Curly Girly oder die Hello-Kitty-Figur von sigikid zu den zweien der 8 schadstoff- und gefahrenfreien Spielzeuge, die den Test bestanden haben.
Wie wählt man Spielzeug als Geschenk? Tipps zum Kauf
Wie soll man nun auswählen, um sicheres Spielzeug zu kaufen? Das GS-Siegel für ‚geprüfte Sicherheit‘ und das TÜV-Siegel für zertifiziertes Spielzeug sollen etwas verlässlicher sein, aber Biobay warnt, dass das GS-Siegel öfter gefälscht werde. Die Stiftung Warentest gibt einige Tipps zum Kauf von Spielzeug für Kinder:
- richtiger Riecher: Ihre Nase sagt Ihnen einiges – wenn Spielzeug streng riecht, kaufen sie es am besten nicht, es könnte Chemikalien ausdünsten. Holzspielzeug sollte unlackiert und ungefärbt sein.
- scharfer Blick: prüfen Sie, ob das Spielzeug spitze Ecken und scharfe Kanten hat oder kleine, leicht abzubrechende oder abzureißende Details – wenn ja, ist es für Kleinkinder ungeeignet
- Stoff statt Kunststoff: Kunststoffe enthalten Weichmacher, also wählen sie lieber Stoffpuppen als Plastikpuppen für ihr Kind
- Gebraucht statt neu: Wer gebrauchtes, älteres Spielzeug kauft, kann davon ausgehen, daß ein Teil der enthaltenen Lösungsmittel oder des Formaldehyds bereits verdunstet sind…
Quelle: Zeitschrift test, Ausgabe November 2010
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